Robin1

Was schief gehen kann, geht schief

Der erste zamonische Runde Robin oder:

Eine Fortsetzungsgeschichte, niedergelegt von verschiedenen Autorennkel Pecks erzählt eine Weihnachtsgeschichte

 

 

 

Gasthaus zum gläsernen Mann ... irgendwo in den großen Weiten des zamonischen Kontinents ...

Auf den ersten Blick wirkte alles ganz normal: Ein dicklicher Blutschink - wahrscheinlich der Gastwirt - stand hinter der Theke und polierte abwesend schmutzige Gläser mit einem Tuch, das dem Begriff „vollkommen verdreckt“ eine völlig neue Dimension verlieh. Und natürlich konnte nur das sonnigste, gutgläubigste und leichtgläubigste Gemüt davon ausgehen, dass dieser Fetzen Stoff wirklich Stoff war und nicht vielmehr die Brutstätte und der Friedhof aller Krankheiten dieses Multiversums.

Ab und an ging ein Ruck durch den Blutschink, als erwache er für eine Sekunde aus dem Tagtraum, in dem er sein Leben verbrachte. Dann zwinkerte er mehrmals, als sei er überrascht, dass er immer noch lebte, hob den linken Fuß und kratzte sich im Schritt und furzte donnernd und lang anhaltend. Dann spuckte er in das unaussprechliche Stück Textilware in seiner Pranke und versank wieder in Automatismus und Abwesenheit.

Vor ihm an der Theke lehnte ein betrunkener Eydeet und faselte einer Schale mit ranzigen Erdnüssen etwas von den Vorzügen fünfer Gehirne vor und wie sich diese Geistesleistung auf seine Libido auswirkte, während die Erdnüsse - dieser Regung eigentlich gar nicht fähig - überlegten, wie sie aus der Schale entkommen könnten. Neben dem geilen Eydeeten standen sich zwei Zwiezwerge - in den kleinen Händen drohend schwere Bierkrüge erhoben - gegenüber und geiferten und spuckten. Sie waren in eine hitzige Diskussion über einen bestimmten Glaubensartikel der »Frisch reformierten, in allen Belangen verbesserten und wirklich zum Heil führenden - darauf können Sie einen lassen - zamonischen Kirche der befleckten Geburt Smeiks« vertieft und man musste kein Genie sein, um zu erkennen, dass die vorgenannte Kirche bald einen oder sogar zwei Gläubige weniger zählen würde.

Mitten in der Schankstube stand ein schwerer Eichentisch, um ihn herum saßen vier Daseinsformen, ins Rumo-Spiel vertieft. Es handelte sich um:

Einen tonnenförmigen Schweinsbarbaren, der misstrauisch seinen Einsatz bestätigte, eine falsch lächelnde Haifischmade, die überaus fachmännisch drei Kartendecks gleichzeitig mischte; einen Fhernhachen, der verstohlen an seinen erstaunlich weiten Ärmelaufschlägen fummelte; einen Mondlichtschatten, der - jeder Verstellung abhold –ganz offen und offensichtlich verzweifelt das Regelwerk zum Spiel studierte.

Die Haifischmade wurde fertig mit ihrem Mischen. Hurtig teilten vierzehn Hände die Karten aus. Blätter wurden zusammengestellt, Kombinationen gebildet, Flüche gemurmelt, an Ärmeln gefummelt, Einsätze gemacht, Ansagen getätigt, Augenbrauen hochgezogen.

Gerade wollte der Mondlichtschatten eine Frage stellen, da donnerte der übergewichtige Schweinsbarbar seine rechte Faust auf den Tisch.

"Verdammt, Grobianus, das Glas ist sauber! Wenn ich meinen Drink in einem sauberen Glas haben wollte, dann ginge ich nebenan in den Frölichen Fhernhachen!“, rief er, nahm aber dennoch einen kräftigen Zug aus seinem Humpen, rülpste laut, wischte sich mit dem Ärmel den Schaum vom Mund und blickte wieder verdrießlich in seine Karten. Verflucht! Er hatte wirklich ein schlechtes Blatt erwischt! Seinen Einsatz von nicht weniger als einem Wochenlohn konnte er wohl vergessen. Am besten, er gäbe das erste Spiel verloren und schliche sich dann aus der Spelunke hinaus, bevor er noch mehr Geld verzockte, das er nicht hatte.

Es war ein hitziges Spiel; die Haifischmade kicherte die ganze Zeit vor sich hin, der Fhernhache nestelte nach wie vor in seinen Ärmelaufschlägen herum, und der Mondlichtschatten wurde immer wirrer …

„Ja!“ Die Haifischmade hatte sich gerade über ihren Gewinn hergemacht, als sich der Schweinsbarbar, etwas von „Muss mal“ und „Gleich zurück“ murmelnd, erhob und heimlich das Lokal verließ.

Die Kälte nahm ihm fast den Atem. Wann hatte er das letzte Mal Tageslicht gesehen? Frische Luft geatmet? Den Weibern hinterher gepfiffen? Er musste sehen, dass er aus der Nummer rauskam! Aber einem Abtrünnigen verziehen die „Banditen der violetten Nacht“ nie! Wieso hatte er sich überhaupt auf sie eingelassen? Würde seine Mutter bald ein Päckchen mit dem Beweis seines Ablebens auspacken müssen? Er schauderte.

Der Barbar überlegte kurz, wandte sich nach rechts und verschwand dann eilenden Schrittes in der schmalen Gasse, die nach rechts von der Straße abbog. Er wusste auf einmal ganz genau, an wen er sich wenden musste, um den Banditen zu entkommen. Haus Nummer 13 war ein kleines, buckliges Fachwerkhaus, dessen Tür schief hing, und dessen Glocke nicht mehr funktionierte. Der Schweinsbarbar pochte.

Sie hörte nicht mehr besonders gut, aber irgendein dumpfes Geräusch hatte sie wahrgenommen. Außerdem hatte Enzo, ihr zahmes Streifengnömchen, mit dem Ohr gezuckt und deutete jetzt auffordernd zur Tür. Grummelnd ging sie zum Fenster, seitlich, versteckt vom Vorhang, um nötigenfalls spontan eine Nichtanwesenheit simulieren zu können. Sie schielte nach draußen, und als sie sah, wer da stand, seufzte sie.

„Guten Tag, Arbeitsamt Unbiskant Südsüdwest, Sie suchen Arbeit?“, flötete die Schreckse, als sie die Tür öffnete.

„Halt die Fresse!“, kam die Antwort.

„Ach, duuuu bist’s, mein liebster Robgrobin! Lass mich raten: Du kommst auf einen Kaffee vorbei? Du bringst mir meine Bücher zurück? Du willst mir einen Heiratsantrag machen?“

Robgrobin grunzte.

„Oder brauchst du vielleicht Geld?“

„Olle Schrecksenschraube!“

Sie winkte ihn rein. „Und wieso glaubst du, dass ich dir helfen kann?“

Er schmiss sich auf ihre Giftkücheneckbank. „Zanuela, Süße...“

„Zamuela, du Sack!“

„... sage ich doch. Du hast mir immer geholfen, und diesmal, ehrlich, ich schaff das, ich werde reich, und dann werde ich dich heiraten, und dich mit Juwelen ...“

Ihre Augen wurden feucht, und Enzo fiepste traurig. „Ach Robgrobin, wir wissen doch beide, dass du lügst. Aber ich habe etwas für dich.“

Sie holte ein Buch von einem Regal, auf dem Bücher und Einmachgläser mit seltsamen Substanzen wild durcheinander standen, sich aber völlig darin einig waren, mit Klecksen und Spritzern verschiedenster Farben, Konsistenzen und Ekligkeitsgraden übersät zu sein.

„Voll fett!“, dachte Robgrobin, zufrieden in sich hinein grinsend, und ließ leise einen fahren. Es stank wie siebzehn faule Bolloggs, aber Zamuela ließ sich nichts anmerken. Vielleicht war ihre Nase mittlerweile ebenso schlecht wie ihre Ohren.

Sie zog ihm mit dem Buch eins über.

„Aufwachen, Stinker! Hier, nimm das Buch, befolge die Anweisungen auf Seite 37 und viel Glück!“

Dann kam sie mit großen, kraftvollen Schritten auf ihn zu, hob ihn mit Leichtigkeit hoch, und ehe er sich wundern konnte, hatte sie ihn rausgeschmissen.

37? Verflucht, 37 ... Wie zählte man bis 37? Wie sah eine 37 aus? Hätte er bloß in der Grunzschule besser aufgepasst! Er blätterte. Da! Die einzige Seite mit Seitenzahl - genau: „Dies ist Seite 37. Bitte befolgen sie die Anweisungen auf Seite 37. Achtung, Anweisung: Schlagen Sie die Seite mit der Brezel auf.“

Robgrobin blätterte ungeduldig und fand die Seite mit der Brezel. Er las: „Das ist eine Brezel. Bitte befolgen sie die Anweisungen auf der Seite mit der Brezel. Achtung, Anweisung: Suchen Sie die Seite, die Ihnen zamonisch vorkommt!“

Robgrobin fauchte. Wer wollte ihn hier verarschen? Aber es war seine einzige Chance. Niemand in ganz Zamonien hätte ihm geholfen - außer Zamuela. Und wenn jemand etwas wusste, dann Zamuela. Und er vertraute ihr. Bisher. Also suchte er weiter. Ein Bratapfel, ein Roman in Venedigermännleinschriftgröße, eine Seite mit eingeklebten verfilzten Haaren - ihm wurde schlecht. Weiter: ein Kussmund ... da! Die Karte von Zamonien. Ein neonfarbener Pfeil zeigte auf die gebirgige Gegend im Norden von Midgard, ein Bild einer Schatztruhe mit Gold war daneben eingezeichnet. Robgrobin pfiff durch die Zähne. Er marschierte los.

Währenddessen hatten im Gasthaus Zum Gläsernen Mann die Haifischmade, der Fhernhache und der Mondlichtschatten weiter Rumo gespielt. Immer, wenn Robgrobin an der Reihe gewesen wäre, bediente der Mondlichtschatten und nutze es schamlos aus, gegen sich selbst zu spielen. Einer von ihm gewann immer. Außer, wenn einer von den anderen beiden gewann, aber das war selten. Dem Fhernhachen waren ziemlich schnell die Abwesenheit des Schweinsbarbaren und die Selbstbetrügereien des Mondlichtschatten aufgefallen, aber er sagte nichts. Er wurde nur immer nervöser, seine Augen flitzten hin und her, seine Ärmelaufschläge waren nass geschwitzt. Bis sich irgendwann die Haifischmade zurücklehnte, sich eine Phogarre anzündete und verkündete:

„Er kommt nicht zurück.“

Der Mondlichtschatten und der Fhernhache starrten ihn an.

Die Haifischmade lächelte hinterhältig.

„Nicht heute. Oder heute Nacht - welche Tageszeit ist eigentlich? Egal ...“, er drehte den Kopf zum Eydeeten und brüllte: „Ficken, nicht denken!“, drehte den Kopf wieder zurück und versprach: „Wir finden ihn. Ich weiß, wohin er gegangen ist.“

"Na du hast gut reden," brabbelte der Eydeet, während die ranzigen Erdnüsse ihr unglückliches Dasein in den Mägen der Zwiezwerge beendeten, die ihre Diskussion dazu kurzzeitig unterbrochen hatten. "Find du erst mal eine Eydeetin! Eher tanzen die Finsterberge Samba!"

Die Haifischmade lächelte verächtlich, warf ein paar Münzen auf den mit Rhumm und Essensresten bekleckerten Tisch und wandte sich zur Tür.

"Sind wir schon fertig mit dem Spiel?" Der Fhernhache glotzte verdutzt und versuchte sich zu erheben. Erst im zweiten Anlauf kam er schwankend auf die Beine und wollte sich am Mondlichtschatten fest halten, der gerade die letzten Scheine seines Gewinns einsammelte.

"Nicht anfassen!", raunzte der Schatten und wich zurück, so daß der Hache haltlos vornüber kippte und dabei den Tisch um riss. Er blieb zwischen Tisch und umgestürztem Stuhl liegen und zappelte hilflos mit Armen und Beinen wie ein ornischer Wabbelkäfer. Ohne sich weiter um die beiden zu kümmern, verschwand die Haifischmade nach draußen. Vor der Tür sog er prüfend die Luft ein und ein diabolisches Grinsen breitete sich auf den dünnen Lippen aus.

"Na dann wollen wir uns mal um unseren Freund Robgrobin kümmern," murmelte er in einem Tonfall, der selbst den Klabautergeistern vor Schreck das Blut in den Adern hätte gefrieren lassen.

Robgrobin marschierte inzwischen nichts ahnend durch die verlassenen Straßen des Ortes Richtung Midgard. Wenn er doch nur einen Ochsenkarren finden könnte! Er hasste es, zu Fuß unterwegs zu sein. Aufmerksam spähte er in die Seitengassen, die von der schwach beleuchteten Hauptstraße abzweigten. Dennoch hätte er beinahe die dunkle Gestalt übersehen, die im tiefen Schatten an einer Hauswand lehnte. Phogarrenqualm reizte die Nase des Schweinsbarbaren. Robgrobin langte nach dem Paddel an seiner Seite, ein Erbstück von seinem Großvater mütterlicherseits, das er von dem alten Knacker geerbt hatte, nachdem dieser bei einer ordentlichen Wirtshauskeilerei von seinen Widersachern kurzerhand in ein Fass mit zwanzig Jahre altem Fröstelgrunder Säufertod gesteckt wurde und dort selig blubbernd ertrank. Als er mit dem Schattenmann auf gleicher Höhe war, versuchte dieser, ihn am Arm zu packen und ihm gleichzeitig ein Bein zu stellen, um ihn zu Fall zu bringen. Allerdings hatte er nicht mit der Gewandtheit Robgrobins gerechnet, der sich blitzschnell zur Seite warf, dabei sein Paddel zog und dem Angreifer damit in einer genialen Aktion von unten erst gegen den Arm und dann auf das Knie schlug, so daß dieser stöhnend zusammenbrach. Robgrobin hatte sich schnell wieder aufgerappelt und dem am Boden liegenden Halunken seinen schweren Fuß auf die Kehle gesetzt.

"Na, wer verschafft mir denn gerade das unaussprechliche Vergnügen?" Der Kerl am Boden versuchte, Robgrobins Fuß mit den Händen wegzuschieben und zu zerren, erreichte damit aber nur, dass der noch einmal sein Paddel schwang.

"Nicht doch ..." Die Stimme des Schweinsbarbaren klang beinahe sanft, während seinem Opfer Blut von der Stirne lief. "Ich wiederhole mich nicht gerne“, meinte er im Plauderton. "Wenn du also so freundlich wärest, dich vorzustellen?" Dann hob er seinen Fuß gerade so hoch, dass der Mann am Boden etwas Luft bekam ... und Robgrobin bequem einen Furz in die Freiheit entlassen konnte.

Sein Opfer verdrehte die Augen und verlor das Bewusstsein. Robgrobin nutzte die Gelegenheit der mentalen Abwesenheit seines Gegenübers zu einer kurzen Inspektion seiner Taschen und erleichterte ihn mit geübtem Griff um die Bürde seiner gesamten Barschaft. Dabei fiel ihm zufällig auch ein wenig schmeichelhaftes Porträt seiner selbst in die Hände und er starrte es verwundert an. Wie und wann war der Kerl an sein Bild gekommen? Weitere Fragen drängten sich in sein leicht rhummgetränktes Gehirn und er schüttelte unwillig den Kopf. Konnte man denn nie irgendwo entlang laufen, ohne dass der dämliche Schädel anfangen wollte zu denken? Nichts hasste er so sehr wie Denken! Nun ja, essen mit Messer und Gabel war auch übel oder baden am Samstag, aber denken war das absolut Schlimmste! Es brachte ihn immer sehr schnell in Wut. So bemerkte er auch nicht, wie sein Opfer wieder zu sich kam. Ein höhnisches Grinsen stahl sich auf dessen Verbrechervisage, während er auf einen Punkt hinter seinem Widersacher starrte. Robgrobin schaffte es nicht mehr sich umzudrehen. Ein scharfer Schmerz machte sich in seinem Schädel breit, bevor sich alles in Dunkelheit hüllte.

Etwas stupste immer und immer wieder an Robgrobins Helm. Der Schweinsbarbar grunzte und murrte. "Mama, nein, noch nicht, gleich, noch fünf Minuten", murmelte er benommen und wälzte sich auf dem Boden herum. Das Stupsen hörte nicht auf.

"Hmrampf!", machte Robgrobin und setzte sich abrupt auf. Er fand sich in einem sehr kleinen und über und über orangen Raum vor. Die Wände waren orange angemalt, ein oranger Teppichboden lag aus, direkt in der Mitte des Raumes ruhte ein oranger Ohrensessel, darüber hing eine orange Lampe, die oranges Licht aussandte, und in einer Ecke stand eine orange Kommode, auf der auf einem orangen Porzellanteller orange Orangen zum Verzehr bereitlagen.

Das Einzige in diesem Raum, was nicht orange war, war Robgrobin. Und der schob ob dieser Gewalteinwirkung an Einfarbigkeit nur dümmlich gemächlich den Helm auf seinem Kopf hin und her. Nach einigen Minuten nahm er seine Tatze wieder herunter und kratzte sich schmatzend über die Brust.

Irgendetwas kam ihm komisch vor. Der Raum? Das Orange? Nein. Sein mächtiges Hungergefühl? Auch nicht, er hatte schließlich fortwährend Hunger. Aber vielleicht sollte er sich trotzdem mal eine dieser Orangen gönnen. Grummelnd krabbelte der Barbar zu der Kommode und warf sich eine Orange in den Schlund. Faul lehnte er sich gegen das Schränkchen und da ging ihm plötzlich auf, was so komisch war.

Ganz vorsichtig hob er seine Tatze und legte sie sanft auf seinen Helm, den er dann jäh wegzog. Mit der anderen Tatze packte er das Etwas, was sich da auf seiner Glatze bewegte. Wäre Robgrobin nicht durch seine rissige gefühlsbehindernde Hornhaut an den Handflächen blockiert gewesen, so hätte er wohl vor Entzückung sofort wieder losgelassen, aber so entging ihm dieses unglaublich einzigartige sanfte, weiche Fell des Wesens, das er soeben gefangen genommen hatte.

Robgrobin hielt das Wesen fest in seiner Pranke und bewegte es nervös in sein Blickfeld. Ängstlich blickte ein kleines himmelblaues Augenpaar zurück.

"Oh", ließ Robgrobin vernehmen und setzte unangenehm berührt das Horchlöffelchen auf seine Knie, wo es sich zusammenrollte und neugierig ein Ohr aufstellte. Sein Fell war wie seine Augen von einem solch bezaubernden Blau, dass dem Schweinsbarbaren beim Anblick ganz warm ums Herz wurde. Robgrobins Blick wanderte über den Bauch des Horchlöffelchens, wo es sich eine kleine braune Tasche umgebunden hatte, zu dem keck aufgestellten Ohr. Ganz an der Spitze endete es in einem zarten Rosa, was sich ganz hervorragend mit dem im Raum herrschenden Orange biss.

Das Horchlöffelchen blickte umher und zuckte nervös mit dem Kopf. Als es Robgrobins verzückten Blick auffing, ließ es beruhigt das Ohr hängen, strich sich mit den Vorderpfoten kurz über die Schnauze und guckte den Barbaren erwartungsvoll an. Dieser blickte noch immer genauso drein wie vorher. Das Löffelchen wiegte den Kopf von der einen zu anderen Seite und zog die Augenbrauen hoch. Dann kramte es in seiner Bauchtasche und holte ein kleines Schild hervor, das es Robgrobin ins Blickfeld hielt. Der starrte aber weiter debil auf seine Knie. Das Horchlöffelchen gestikulierte wild und biss dem Schweinsbarbaren dann flüchtig ins Bein. Robgrobin fuhr zusammen und sah das kleine Wesen auf seinen Knien an, was ihn unschuldig anlächelte und auf das Schild zeigte, was es emporstreckte. Robgrobin beugte sich hinunter, um zu lesen, was in winziger Schrift darauf stand.

"H-A-L-L-O", entzifferte er langsam. Lässig hob er eine Tatze und sagte cool und gedehnt: "Hi!"

Das Horchlöffelchen schmatzte zufrieden, steckte das Schild zurück und zog zwei neue hervor, die es erneut dem Schweinsbarbaren entgegenstreckte.

Robgrobin seufzte, kniff die Augen zusammen und las: "Ich heiße Elidea. Wie heißt du?" Auf dem anderen stand: "Ich bin stumm." Robgrobin glotzte blöd.

Ein stummes Hochlöffelchen? Wie seltsam ... Nicht, dass Robgrobin in zamonischer Biologie sonderlich gut aufgepasst hätte, noch kannte er sich in der Artenvielfalt Zamoniens auch nur annähernd ausreichend aus ... Aber eine stumme Daseinsform war ihm bisher noch nicht begegnet.

Robgrobin zuckte mit den Schultern. Besser stumme Gesellschaft als gar keine. Sehr schleppend kam eine Konversation in Gang und in Ermangelung weiterer Täfelchen begann das Horchlöffelchen bald, auf dem Boden, den Wänden und schließlich auch auf sich selbst zu schreiben.

So erfuhr Robgrobin zum Beispiel, dass Elidea eigentlich in den orangen Raum gesandt worden war, um Robgrobin auszuhorchen und seine weiteren Ziele herauszufinden. Doch hatte der Barbar nun schon seit Tagen dort "geschlafen" und in seinem unfreiwilligen Koma unablässig vor sich hingemurmelt, sodass Elidea überhaupt nichts mehr auszuhorchen brauchte. Dem Löffelchen gefiel der Plan des Barbaren, nach diesem Schatz zu suchen und so gab es seinen Aushilfsjob als Aushorchaushilfe auf und begann eine Schatzsucherpartnerschaft mit dem pupsenden, stinkenden, grunzenden, barbarigen Etwas, das es in diesem erschreckend orangen Raum vorgefunden hatte.

"Und wie kommen wir jetzt hier raus? Dieser Raum ist so orange, dass ich nicht mal Türen oder Fenster sehen kann!", schimpfte Robgrobin.

Das Horchlöffelchen spitzte beide Ohren und begann, in dem Raum umherzulaufen und nach lauter werdenden Geräuschen zu lauschen, die auf eventuelle Tür- oder Fensterschlitze hindeuten könnten. So fand es heraus, dass der Raum zwar keine Fenster, wohl aber eine Tür am anderen Ende des Raumes hatte. Es winkte mit dem Ohr und der Schweinsbarbar erhob sich in Richtung Tür. Sie war nicht verschlossen, jedoch saß der Grund dafür direkt vor der Tür und schlief.

"Na toll, eine Wache. Und was machen wir jetzt?" flüsterte Robgrobin.

"Ganz einfach!" kritzelte Elidea auf den Hinterkopf des schlafenden Wächters, der, was im Schatten des Ganges nicht leicht zu erkennen war, ein Hempel war. "Wir sperren ihn in den orangen Raum!"

Gesagt - getan. Der Hempel-Wachtposten lag nun, immer noch selig schlummernd - er musste eine Menge getrunken haben -, in dem Raum, on dem vor einigen Minuten noch Robgrobin gelegen hatte, und das ungleiche Schatzsucherpaar schlich entlang eines schier endlosen Ganges nach draußen in die kühle, frische Nacht.

Leider, so musste Robgrobin bald feststellen, hatte man ihm bei seiner "Inhaftierung" das Buch abgenommen, in dem der Ort des Schatzes verzeichnet war. Aber einen Schatz suchen, ohne die Karte dafür zu haben? Nein, das geht nicht, das kann man nicht machen. Diese Haifischmade musste das Buch haben, ganz sicher! Also blieb den beiden nichts anderes übrig, als noch einmal zurück in das Haus zu schleichen - dessen Fassade nicht weniger orange war -, zu hoffen, dass die Made sich darin befand, und das Buch zu stehlen.

Elidea ging voraus und lauschte nach Geräuschen, die ihnen verraten könnten, wo sich eventuell ein Feind befinden könnte ... und auch, ob sie selbst vielleicht zu laut waren, und gehört werden könnten. Doch bis hierhin gab es diesbezüglich keine Probleme.

Schließlich gelangten sie in das Arbeitszimmer des vielarmigen Wesens. Die Lichter waren aus und das Zimmer lag verlassen in der nächtlichen Dunkelheit.

Dort! Dort auf dem Tisch lag das Buch, was Zamuela Robgrobin gegeben hatte! Und es war nur eine Armlänge entfernt! Der Barbar langte nach dem Buch, als ...

"Na was haben wir denn hier?!"

Entsetzt bemerkte Robgrobin, dass der Schreibtischsessel keinesfalls leer war. Aus dem Dunkeln heraus blickte ihnen die Haifischmade entgegen.

"Ich denke, mein lieber Freund Robgrobin, dass du deine Finger besser von diesem Buch lässt. Das ist nichts für einen wie dich", sagte die Haifischmade mit einem arktischen Lächeln.

Der Schweinsbarbar zog die Hand langsam zurück. Elidea klammerte sich an seinen Rücken und er konnte spüren, dass sie zitterte.

"Ich bin nicht besonders glücklich über euer Verhalten. Ja, ich weiß, dass du da bist, stummes Horchlöffelchen, du musst dich nicht verstecken. Ich fürchte, für euren Verrat müsst ihr mit Konsequenzen rechnen", fuhr die Made fort. "Aber ich will gnädig sein, schließlich bin ich durchaus zur Großherzigkeit fähig. Ich erlaube euch, den Schatz zu suchen, allerdings für mich. Wenn ihr ihn gefunden habt, geht er in meinen Besitz über und möglicherweise verzeihe ich euch dann."

Den beiden Gefangenen blieb keine Wahl, also nickten sie gezwungenermaßen.

Die Made lächelte. "Ich wusste doch, dass wir uns verstehen werden. Gleich morgen früh werdet ihr euch auf den Weg machen. Selbstverständlich in Begleitung einiger Experten, die in meinen Diensten stehen. Wir wollen ja nicht, dass ihr auf dumme Gedanken kommt ... nicht wahr?"

Robgrobin und Elidea wurden in verschiedenen Räumen einquartiert und am Morgen wieder zur Haifischmade geführt. Neben der Haifischmade standen ein riesiger Wolpertinger mit räudigem, schmutzbraunem Fell und gefährlichen Augen sowie ein in Lumpen gehüllter Stollentroll.

"Darf ich euch eure Begleiter vorstellen? Das ist Gonzo", die Made deutete auf den Wolpertinger, "und dies ist Egon."

Der Stollentroll starrte Robgrobin und Elidea durchdringend an.

"Ich hoffe, ihr werdet euch gut verstehen. Ich habe euch eine Ausrüstung zusammenstellen lassen. Macht euch am besten sofort auf den Weg. Viel Erfolg. Wäre besser für euch ..."

Mit diesen Worten händigte die Haifischmade ihnen mehrere Taschen aus, reichte die Schatzkarte an Gonzo und schickte die Schatzsucher hinaus.

Die Haifischmade saß in ihrem Sessel und lächelte gemein und zufrieden.

Das war die richtige Strafe für Robgrobin und auch dieses treulose Horchlöffelchen. Was konnte es Schlimmeres geben als einen Schatz mit unvorstellbarem Wert zu finden und ihn nicht behalten zu dürfen?

Vierzehn Hände verkrampften sich unisono. Vierzehn komplexe Armbeugegelenke knackten Unheil verkündend. Ein Schatz vom unvorstellbaren Wert? Auf den vierzehn Armen traten Sehnen wie Schiffstaue hervor. Unvorstellbarer Wert …

Sulphulur Sebastokratos Smeik knirschte mit den Zähnen und legte die Stirn in gewittrige Falten. Verdammt sei das Alter, kochte es in ihn. Verdammt sei die Grumpel-Gicht in meinen Armen. Verdammt sei ... Ach, verdammt sei einfach alles. Zum simplen Tyrannen war er degradiert, ein einfacher Verbrecherfürst, ein Flüsterer im Sessel, ein Unterbreiter unschlagbarer Angebote. Früher war er eine Legende gewesen! Der einzige Zamonier, der jemals in das Schwarze Zinshaus von Gralsund eingebrochen war und mit seiner Beute wieder rauskam; die Haifischmade, die den Goldzahnfriedhof der Laubwölfe entdeckt, geplündert und nebenbei noch seine 17 Begleiter gemeuchelt hatte; derjenige, der vor Jahren die Heuerkasse des Zahlmeisters der MOLOCH entwendet hatte - zu einen Leben im Sessel und im Wirtshaus verdammt! Für den Rest seines Daseins! Außer ... Außer, die vier Kreaturen, die er soeben losgejagt hatte, hätten Erfolg. Außer, die alte Hexe hätte die Wahrheit gesagt. Außer, an den alten Sagen wäre etwas dran. Aber mal ehrlich: Wie verzweifelt musste er mittlerweile sein, daß er sein Heil und sein Glück von einem verlausten Wolpertinger, einem grenzdebilen Stollentroll, einem grunzenden Barbaren und einem ... einem ... einem Horchlöffelchen abhängig machte?

In diesen Moment fuhr ein Windstoß durch den mächtigen Kamin und wirbelte die Asche auf. Eine grässliche Flamme loderte empor, wuchs in die Höhe und nahm unter schauerlichem Gestöhn und Gewimmer die Form eines alten, verwachsenen Weibes an. Es wurde kalt im Zimmer. Reif legte sich auf die Fenster, Frost überzog die Metallbeschläge der Tür, dünnes Eis überzog den Wein im Glas Smeiks. Dieser zog gelangweilt eine Augenbraue hoch. Toll, dachte er bei sich. Damit ist mir diese kleine Freude auch vergällt.

Die Farbe der Flamme wechselte zum Modrig-Braunen, das Stöhnen und Wimmern schwollen an. Dann fiel die Lohe in sich zusammen und aus der Asche trat - schrecklich, schrecklich, dreimal schrecklich - eine Haselhexe.

Smeik verzog anerkennend den linken Mundwinkel. Alles was recht war - diese Hexen wussten, wie man effektvoll auftrat. Natürlich hätte die Vettel auch einfach an der Tür klopfen und eintreten können, aber das konnte schließlich jede hergelaufene Daseinsform. Nein, nein: Ein guter Auftritt, ein guter erster Eindruck, das war die halbe Miete.

„Sind sie weg?“, kreischte die Hexe und klopfte sich etwas Asche aus den sich windenden Haaren.

„Die vier Typen stehen genau hinter dir und zielen mit einer Armbrust auf dich“, gab die Haifischmade trocken zurück und erfreute sich dann am Anblick der hektisch herumfahrenden Hexe, die beide Arme schützend vor die Brust hielt und den Hals vorreckte.

„Smeik, du elender Sohn einer..“

„Mund gehalten. Wer blöde Fragen stellt, der kriegt blöde Antworten. Merk dir das.“

Die Hexe atmete tief ein und zog den Hals wieder ein. Dabei knarrte sie:

„Sie sind also unterwegs? Mit der Karte? Der Troll, das Schwein, der Köter und das ... das ... Horchlöffelchen?“

„Die sind unterwegs. Und damit habe ich meinen Teil unserer Abmachung eingehalten. Ich kann für dich nur hoffen, dass du in dieser Sache genauso zuverlässig bist wie ich, meine Liebe.“

Die Haselhexe ignorierte die unterschwellige Drohung.

„Und sie wissen von nichts? Sind ahnungslos? Unbedarft? Ohne jede Kenntnis über das, was sie erwartet?“

Sulphulur Sebastokratos Smeik stöhnte gequält auf, ließ sich aber doch zu einer Antwort herab. Hexen, das war allgemein bekannt, waren eben etwas wunderlich.

„Der Troll und der Köter glauben, sie sollten die beiden anderen bewachen. Der Barbar ist eh zu blöd für irgendwelche komplexen Reflexionen und das ... das ... das Horchlöffelchen ...“, er grinste vielsagend und hob einen Finger kreisend zur Stirn. Dann fuhr er fort:

„Kurz und gut: Es läuft alles nach Plan. Keiner der Vier weiß, dass sie nur Figuren in einem Spiel sind, das ihren begrenzten Verstand bei weiten übersteigt.“

Die Haselhexe rieb sich die knotigen Hände und gackerte vergnügt.

Missmutig stapften die vier ungleichen Teilnehmer der Expedition durch wüstes Gestrüpp.

„Pass doch auf, wo du hinlatschst, du dämlicher Wanst einer verfaulenden Made!“

„Halts Maul, du stinkender Furz eines Rikschadämonen!“

Sie überboten sich mit derben Flüchen. Nur vom Horchlöffelchen hörte man nichts. Es ließ die Löffelchen schlapp herunterhängen und war schon nach kurzer Zeit völlig erschöpft, denn seine drei Begleiter eilten ohne Rücksicht auf seine kurzen Beinchen mit großen Schritten ihrem Ziel entgegen, angetrieben von Gonzo, der die Sache möglichst schnell hinter sich bringen wollte. Schließlich warteten da noch drei ausnehmend hübsche schlechte Ideen darauf, dass er sich mit ihnen bei verschiedenen nicht jugendfreien Aktivitäten die Zeit vertrieb. Nach einigen weiteren Schritten brach das Horchlöffelchen keuchend zusammen. Es dauerte eine Weile, bis dem Wolpertinger auffiel, dass das Schnaufen und Japsen hinter ihm aufgehört hatte. Wütend ließ er die Truppe anhalten und schickte den Stollentroll zurück, um Elidea zu suchen. Dieser machte sich murrend auf den Weg.

Robgrobin ließ sich an Ort und Stelle auf den Boden plumpsen, lehnte sich gegen einen Felsen, schob sich den Helm ins Gesicht und versank in einen kurzen erholsamen Schlaf. Gonzo beobachtete ihn eine Weile, bevor auch er sich entspannte. Es dauerte nicht lange, da erschien der Stollentroll, Elidea hinter sich herschleifend. Das ehemals leuchtend blaue Fell des Horchlöffelchens hatte sich in einen schmutzig grauen Filz verwandelt und die Augen waren vor Erschöpfung rot. Egon warf es dem Wolpertinger vor die Füße und spottete: „Nix in den Beinen, das schlappe Ding, kähähä...“

Gonzo trat Robgrobin in die Seite.

„Aufstehen, Faulpelz! Es geht weiter!“

Der Schweinsbarbar stieß einen Fluch aus und kam ächzend auf die Beine. Gonzo war schon einige Schritte vorausgeeilt und brüllte ungeduldig:

“Wird’s bald, ihr lahmen Säcke?!“

Robgrobin hatte erst wenige Schritte getan, als er ein zaghaftes Zupfen an seinem Bein bemerkte. Als er nach unten blickte, sah er in die flehenden Augen Elideas. Sie schrieb in den Staub: „Ich kann nicht mehr. Hilf mir. Bitte!“ Kurzerhand schnappte er sich das zerzauste Fellbündel und setzte es auf seinen Helmrand.“

„Festhalten!“

Dann marschierte er los.

Die Sonne war schon lange untergegangen und man konnte kaum noch die Hand vor Augen sehen, als sie endlich anhielten, um sich einen Platz für die Nacht zu suchen. Gonzo und Egon stritten sich darum, wer wann wie lange Wache halten musste, während Robgrobin sich unter einem Baum zusammenrollte. Elidea kuschelte sich dicht an ihn und genoss die Wärme des Barbaren an ihrem Rücken. Endlich hatten sich die beiden Streithähne geeinigt und Egon suchte sich einen Platz zum Schlafen, während Gonzo aufmerksam nach allen Seiten spähte und dabei mit einem scharfen Messer Späne von einem Ast säbelte. Robgrobin murmelte im Schlaf vor sich hin:

“Warte nur, dich mach ich auch noch fertig, du dämliche Missgeburt von einer Haifischmade!“

Gonzo lächelte grimmig und dachte: „Der sargt dich doch ein, du dumme Wurst!“ Nach zwei Stunden weckte er Egon und rollte sich auf die Seite. Bald ließ sein gewaltiges Schnarchen die Bäume erzittern. Davon wurde Elidea wach. Vorsichtig sah sie sich um. Fast hätte sie gelacht, als sie sah, dass Egons Kopf immer weiter auf die Brust sank. Wenn das nicht die Gelegenheit war!

Sie stieß Robgrobin an, aber der regte sich nicht. Verzweifelt überlegte sie, wie sie den Schweinsbarbaren wach bekommen konnte. Hier halfen geschriebene Nachrichten überhaupt nicht weiter. Nur eine gewagte Aktion konnte Robgrobin wachrütteln. Vorsichtig, um ihre Bewacher nicht zu wecken, kletterte sie auf den Bauch des Schweinsbarbaren, indem sie sich von einem Fellbüschel zum nächsten zog. Dann balancierte sie über die Seite, den angewinkelten Arm, die Schulter und den kräftigen Hals zum Ohr des Schweinsbarbaren. Aus der braunen Bauchtasche zog sie eine Greifendaune und begann, Robgrobins Ohr zu kitzeln. Dabei hielt sie ihn wachsam im Auge, denn sie wollte nicht durch eine unerwartete Bewegung seinerseits auf den Boden geschleudert werden. Endlich regte er sich, wurde aber immer noch nicht wach. Seufzend zog sie ihre Geheimwaffe aus der Tasche: ein Fläschchen mit einem Gemisch aus Faulsumpfgas und Stinkwurz und dem Extrakt eines verwesenden T鰐els. Bevor sie das Fläschchen öffnete und es dem Barbaren unter die Nase hielt, sicherte sie sich mit einem Strick und band sich ein Halstuch aus den Fasern einer geruchsfressenden Finsterberggurke vors Gesicht.

Würgend rappelte sich Robgrobin hoch.

“Was zum Schaitan ...?“

Vor seinen Augen baumelte das Horchlöffelchen an einem Strick und schüttelte warnend den Kopf. Dann deutete es mit dem Pfötchen in Richtung ihrer Bewacher. Robgrobin erfasste sofort die Situation. Die Gelegenheit musste genutzt werden!

Im Dunkel der Nacht und im Schutze der Schatten huschten die beiden Gestalten davon. Das Buch verstaute Robgrobin unter seiner Kleidung und klemmte sich das Horchlöffelchen unter den Arm. Der schmale Pfad, auf dem sie sich bewegten, wand sich zwischen Gebüschen, dichten Wäldern und großen Bergen hin und her wie eine Schlange. Robgrobin lief, solange seine Füße ihn trugen, und machte schließlich erst Rast, als die erste Morgenröte den Horizont überzog. In der Ferne konnte er den großen Bolloggkopf erkennen, der das Tor zu Atlantis markierte. Und in dem Wissen, dass es bis Midgard nicht mehr weit sein konnte, schlief er friedlich ein, das Horchlöffelchen im Windschatten an seinen Rücken geschmiegt.

Bei Einbruch der Nacht erwachten die beiden aufgrund der plötzlichen Kälte, die die Dämmerung mit sich trägt. Und so ging es weiter.

"Midgard, Midgard ... Auf der Karte ist nur zu sehen, dass die Truhe irgendwo in der Nähe eines Berges sein soll, aber hier wimmelt es nur so von Bergen!" beschwerte sich Robgrobin. "Und außerdem haben Gonzo und Egon sicher inzwischen dieselbe Richtung wie wir eingeschlagen und holen uns früher oder später ein!"

Verzweifelt schüttelte er den Kopf. Wie konnte das denn nur zu schaffen sein?

"Ach, komm, wir schaffen das schon irgendwie", schrieb Elidea in den Sand, "Ich gehe von hier aus nach Westen und du nach Osten, so kommen wir schneller voran. Der Erste, der etwas findet, zündet ein Feuer an. Dann sieht der andere den Rauch und kann den Ort des Schatzes ganz leicht finden."

Der Barbar nickte. Wie praktisch es doch war, ein so schlaues Horchlöffelchen dabeizuhaben.

Und so liefen die beiden los. Robgrobin umrundete einen Berg nach dem anderen und bestieg sie schließlich auch, um nach einer Höhle oder etwas ähnlichem Ausschau zu halten. Doch es war nichts zu machen. Außer kahlem Gestein und einigem Dornengestrüpp fand er absolut nichts. Bei Tageseinbruch schlief er und nachts suchte er weiter.

Doch am dritten Tag sah er in der ferne Rauch. Freude überkam ihn, denn er wusste, dass Elidea etwas gefunden hatte. Ach, diese schlaue Daseinsform! Schnell machte er sich auf den Weg zu dem Ort, wo der Rauch aufstieg. Er kam immer näher und schließlich fand er das Lagerfeuer. Doch was er sah, war nicht, was er sich erhofft hatte, denn am Feuer standen Gonzo und Egon, hatten Elidea wie ein Gepäckstück verschnürt und über dem Feuer briet ein vorzüglich duftendes Stück Fleisch, von dem er jetzt schon wusste, dass es nicht für ihn gedacht und er daher für eine weitere Nacht hungrig bleiben würde.

"Da bist du ja wieder."

Im Handumdrehen war auch Robgrobin gefesselt und lag neben Elidea, grade so nah am Feuer, dass der köstliche Duft des Bratens seine Nasenlöcher kitzelte und ihm das Wasser in den Mund trieb, doch nicht nah genug, um die angenehme Wärme der Flammen zu genießen. Robgrobin war mal wieder froh über seine üppige Speckschicht, die wenigstens die Kälte fernhielt, die der Abend mit sich brachte. Das kleine Horchlöffelchen neben ihm zitterte ganz erbärmlich.

Egon und Gonzo machten sich grade schmatzend über das Fleisch her und Robgrobin spürte Wut in sich aufsteigen. Diese unglückselige Schreckse, die hatte ihm das alles eingebrockt! Ohne dieses dämliche Buch wäre er jetzt nicht in dieser Lage.

Das Buch ... wo war das denn eigentlich geblieben? Der Schweinsbarbar überlegte mühsam. Hatte er es mitgenommen oder Elidea? Nein, er war sich recht sicher, dass er es mitgenommen hatte, als sie sich trennten. Aber er hatte es jetzt eindeutig nicht mehr. Wo war es geblieben?

Mühsam erforschte Robgrobin das Innere seines kleinen Verstandes. Schließlich dämmerte ihm aus dem Trüben ein Bild entgegen: Er selbst, schlafend, den Kopf auf die weichen Seiten gebettet ... dann war er aufgestanden und hatte weiter gesucht ... und das Buch einfach liegen gelassen. Robgrobin grunzte. Ja, das war typisch für ihn.

„Ja, das ist in der Tat typisch!“, piepste es in seinem Kopf.

Der Barbar blinzelte.

„Lass dir bloß nicht anmerken, dass du mich hören kannst, klar, Dicker?“, forderte die Stimme in seinem Schädel. Robgrobin nickte bedächtig.

„Gut gut, ich darf mich vorstellen, Sieben Stunden Sieben Minuten und Sieben Sekunden mein Name, ich bin eine Idee. Ja, es gibt Gute und schlechte, ich weiß, aber ich war so lange in diesem Buch eingesperrt, dass ich vergessen habe, zu welcher Gruppe ich gehöre. Wie dem auch sei, ich habe mich in deinem Kopf gründlich umgesehen und festgestellt, dass ich auch hier zurzeit ziemlich alleine bin. Dafür habe ich in deinen Erinnerungen gekramt – das nimmst du mir doch nicht übel? – und ich denke, ich habe eine Lösung, wie du hier wieder herauskommst. Soll ich dir helfen?“

Robgrobin überlegte nicht lang, sondern nickte. Viel anderes blieb ihm ja eh nicht übrig.

„Prrrrima...“, gluckste die Idee in seinem Kopf und begann, einen riskanten Plan zu erläutern.

[Aus Sicherheitsgründen wurde dieser Teil der Geschichte entfernt, um professionelle Nachahmungstäter daran zu hindern, Robgrobins Flucht zu kopieren. Dies dient nur zu eurem Besten! Gezeichnet: Z.e.n.Su.R.]

Elidea und Robgrobin, der noch immer die Idee in seinem Kopf trug, suchten zwischen Sträuchern und Steinen nach dem Buch. Das Horchlöffelchen war ziemlich grantig gewesen, als Robgrobin den Verlust der Schatzkarte gestand.

„Was tut ihr da eigentlich?“, erkundigte sich die Idee.

„Wir suchen das Buch“, antwortete Robgrobin.

Das Horchlöffelchen sah ihn an. Ihre Augen sagten deutlich „Das weiß ich doch, das musst du mir nicht dauernd sagen“. Robgrobin schüttelte den Kopf. Er hatte ihr noch nicht von der Idee erzählt, die seinen Kopf durcheinanderbrachte. Nach ihrer Reaktion auf den Verlust des Buches hatte er sich nicht getraut, noch mehr zu erzählen. Er hätte nie erwartet, dass ein niedlich-flauschiges Horchlöffelchen so finster schauen konnte.

„Warum sucht ihr denn das olle Buch und nicht gleich den Schatz?“, fragte die Idee.

Robgrobin versuchte sich an einer gedachten Antwort. „Wir brauchen die Karte um den Schatz zu finden und die ist in dem Buch.“

„Ach, meinst du diese Karte?“

Vor Robgrobins innerem Auge erschien ein detailgetreues Bild Zamoniens... die Schatzkarte!

„Wie geht das denn?“, sagte der Schweinsbarbar verblüfft. Dass sein Gehirn so was konnte...

„Ich habe sehr viel Zeit in diesem Buch verbracht, ich kenne jede Seite auswendig. Man könnte beinah sagen, ich bin das Buch... der Schatz befindet sich übrigens hier...“ Die Karte vergrößerte sich auf den entsprechenden Bereich „Und wir sind... hier...“ Der Ausschnitt verschob sich.

„Und wo müssen wir jetzt lang?“, fragte Robgrobin.

Elidea warf ihm einen Stein an den Kopf, auf den sie „Woher soll ich das wissen?!“, gekritzelt hatte, doch Robgrobin bemerkte es kaum. Er stapfte in die Richtung, die die Idee ihm vorgab und das Horchlöffelchen beeilte sich, mitzuhalten.

Nach kurzer Zeit blieb der Barbar abrupt stehen. Die Stimme in seinem Kopf sagte: „Da wären wir. Zwei Schritte schräg links von dir ist ein großer Stein mit etwas Moos. Unter dem Moos ist die Markierung und wenn du den Stein zur Seite schiebst, dann... hast du den Schatz gefunden.“

Robgrobin wurde ganz anders. Er hatte es geschafft! Vergessen waren die Strapazen, vergessen war Smeik und die Tatsache, dass er Anspruch auf den Schatz erhob... nur der Schatz selbst war jetzt wichtig!

Der Schweinsbarbar kullerte den Stein mit Leichtigkeit zur Seite und legte ein Loch frei. Es enthielt... nichts.

„Kähähähähähää!“, kicherte die Stimme in Robgrobins Kopf.

Es war symptomatisch für Robgrobin, das er sich nicht eine Sekunde lang frage, warum eine Idee wie ein Stollentroll gackerte. Die Tatsache, daß er so gut wie nichts – und das war noch schmeichelhaft! – über Ideen wußte, ja noch nie eine gehabt hatte, mag als Entschuldigung dienen, taugt aber nicht viel. Wer im Bösewicht-Geschäft überleben will, von dem werden rudimentäre Kenntnisse über die zahlreichen zamonischen Daseinsformen einfach vorausgesetzt. Sie können zum Beispiel nicht planen, einen Werkröterich im Dunkeln zu überfallen und auszurauben, wenn Sie nicht wissen, daß ein Werkröterich a.) hervorragend im Dunkeln sieht und b.) sein gesamtes Hab und Gut unter irgendeinen Stein versteckt hat.

Doch zurück zu Robgrobin. Er starrte also auf das Loch und starrte und starrte. Er sah in das leere Loch hinein und sah und sah.

Dem stummen Horchlöffelchen wurde es schließlich zu Bunt. Es zupfte aufgeregt am Ringelschwanz des Schweinsbarbaren, um endlich zu erfahren, was los war. Es sah im Dunklen nicht besonders gut – was es unter anderen vom Werkröterich – unterschied und es wurde langsam nervös. Jeden Moment konnten ihre Bewacher ihre Abwesenheit bemerken und dann wäre Groß-Troll in Not, wie man so schön sagte. Dann hörte es die Stimme…

Die Stimme kam vom überall her. Die Stimme war in ihm drin. Die Stimme war um es herum. Die Stimme war alles und alles war die Stimme. Alles wurde ganz einfach, wenn man nur auf die Stimme hörte. Die Stimme befahl… nein, die Stimme konnte so etwas Rüdes wie befehlen nicht. Sie bat vielmehr. Bat auf eine Art, die keinen Widerstand duldete. Die Stimme bat das Horchlöffelchen also, dem dämlichen Schweinsbarbaren dazu zu bringen, mit Starren aufzuhören und endlich den Stein aufzuheben und ins Lager zu bringen. Scheinbar zerschellte sogar die Macht der Stimme an den Klippen der Robgrobin´schen Blödheit.

Zahllose Zettel und unzählige Grunzer später…

Robgrobin keuchte. Und er schwitzte. Das tat er immer, wenn er denken mußte. Der Stein, den er schleppte, der war nicht weiter schwer. Gut, er hatte schon ein erstaunlich hohes Gewicht, aber ein starker Schweinsbarbar wie er… Aber warum zur Schnupftabakdose seiner Großmutter schleppte er diesen Stein überhaupt? Das Horchlöffelchen hatte ihn das nicht erklären können. Es hatte einfach immer wieder geschrieben, daß der Stein un-be-dingt in das Lager gebracht werden müßte. Und das war auch so eine Sache, die Robgrobin nicht verstand: Warum gingen sie zu ihren Peinigern zurück, anstatt zu flüchten? Ach, wie ihm der Kopf schmerzte vom vielen Denken…

Als er zusammen mit den mittlerweile nur noch grenzdebil vor sich hinlächelnden Horchlöffelchen am Lagerfeuer ankam, erwartete ihn eine unangenehme Überraschung: Der satanische Sulphulur Sebastokratos Smeik war da, wärmte sich die 14 Hände und sah überaus zufrieden aus. Robgrobin verschlug es die Sprache! Smeik! Bei allen Untiefen Hels – wo kam der denn her? Und war das da eine… bei allen infernalischen Fürzen des Kosmos – tatsächlich: Gonzo und Egon halfen tatsächlich einer Haselhexe vom Besen!

Smeik, der ihm noch nicht bemerkt hatte, sagte gerade leutselig: „…warme Unterwäsche das Wichtigste auf so einen Besen, das könnt ihr… Ah, da sind ja die beiden Ausreißer.“ Sein Blick fiel auf das, was Robgrobin im Arm hielt. Er zwinkerte der Hexe zu. „Und sie haben den Stein. Nein, wie fein! Fein, fein, fein!“

Egon grunzte und kratzte sich im Schritt. Er verstand das Ganze nicht. Was sollte das alles? Zuerst sollten sie die beiden Schwachköpfe durch die Gegend begleiten, dann ausreichend Gelegenheit zur Flucht verschaffen. Und kaum ausgebüxt, kehrte das Schwachsinnsduo Stunden später wieder zurück und die alte Made geriet schier aus den Häuschen wegen eines Steines. Da sollte einer schlau draus werden.

Die Haselhexe trat vor, versetzte den Horchlöffelchen einen Schlag mit ihren Stock und nahm den Schweinsbarbaren den Stein aus Händen. Sie hielt ihn dicht vor die schielenden Augen, roch an ihm und – zu Gonzos unsagbarer Verwunderung – ließ ihre Zunge über ihn streichen. Dabei murmelte sie undeutlich vor sich hin.

„Was macht die alte Übelkrähe da…“ begann Egon, aber Smeik hob drei Hände zum Zeichen, daß er schweigen sollte.

Die Hexe werkelte noch gut fünf Minuten an den Stein herum, dann nickte sie zufrieden. Smeik fragte:

„Und? Ist er es?“

„Reines Mallefizaum, Smeik. Habe es noch nie in so konzentrierter Form gesehen. Jedes andere denkende Element ist ein Heiliger dagegen! Pure Bösartigkeit! Zamomin ist ein Dreck dagegen!“

Zögerlich reichte sie ihm den Stein. „Wie abgesprochen?“ fragte sie mißtrauisch.

Smeik bestätigte generös: „Wie abgesprochen.“

Robgrobin hatte irgendwie das Gefühl, sich nun einbringen zu müssen. Besonders klug war es zwar nicht, was er von sich gab, aber von einen blinden Mauer erwartet auch niemanden, daß er den Dom von Florinth erbaut.

„Ich versteh nur Anlegestelle. Wieso schickt mich die olle Zamuela auf die Suche nach einen Stein?“

Die Hexe und Smeik sahen sich belustigt an. Dann – auf ein unmerkliches Heben der linken Augenbraue der Made hin (Haifischmaden beherrschen diese mimische Geste perfekt)– trat sie nach vorne und säuselte:

„Ach, der liebe Rob, der versteht nicht. Ist das nicht tragisch?“

Bei diesen Worten ging eine seltsame Verwandlung mit der alten Vettel vor sich. Ihre hagere Gestalt stauchte sich zusammen, verzerrte sich, wurde kleiner und gleichzeitig breiter. Schließlich hatte sie sich vollkommen verändert. Robgrobin traute seinen Augen nicht:

„Zamuela? Du? Aber wie…Und alles nur wegen eines Steins?“ Sein überhitzter Verstand schaltete ab.

S. S. Smeik und die Haselhexe brachen in kakodämonisches Gelächter aus.

„Ein Stein? Nur ein Stein?“ riefen sie unisono. „Das ist hochkonzentriertes Mallefizaum, du Idiot! Das ist der Schlüssel zur Weltherrschaft!“

Gonzo und Egon verdrehten die Augen. Die alte Leier schon wieder. Weltherrschaft hier, universale Diktatur da. Wenn sie für jedes Mal, wenn Smeik die Welt hatte unterjochen wollen, einen Pyra bekommen hätten, dann lägen sie heute in Yhöll am Strand. Auf ihrer eigenen Insel, wohlgemerkt. Sie waren daher nicht besonders beeindruckt, als ihr Herr und Meister zusammen mit der Haselhexe den Stein gen Himmel hob. Sowieso – Weltherrschaft als Duo? Wie sollte das denn gehen? Montag bis Mittwoch Smeik, Donnerstag bis Samstag die Hexe und Sonntag gemeinsam? Das ging doch nie im Leben gut. Fingen die beiden nicht jetzt schon an zu rangeln, an den Stein zu zerren? Oder… Nein, sie zerrten nicht daran! Sie hielten ihn fest. Was zur…

„Narren!“ drang eine Stimme an ihr Ohr. „Glaubtet ihr wirklich, ich würde einer verschlagenen Haifischmade oder einer verdorrten Haselhexe dienen?“

Die beiden lächelten geschmeichelt.

„Das war kein Kompliment“, donnerte das Horch-löffelchen. Das Horchlöffelchen? Ja, es war diese niederste aller zamonischen Kreaturen, die da gesprochen hatte. Und auch wieder nicht. Irgendwie war es zu einer Verschmelzung des kleinen Verstandes des stummen Säugers mit den überragenden Intellekt des Mallefizaums gekommen. Das Löffelchen war nur noch eine ausgebrannte Hülle, ein Bündel Fell, ein Balg ohne Seele. Und doch ging Macht von ihm aus. Und im gleichen Maße, wie diese Aura zunahm, wurde das Rütteln des Steins stärker. Zu spät erkannte Smeik, was geschah. Das Mallefizaums transferierte sich selber in das Löffelchen hinein. Das durfte nicht sein. Einmal lebendig, würde das Element sich jeder Kontrolle entziehen. Die Haselhexe schien den gleichen Gedanken gehabt zu haben, denn sie ließ den Stein fahren und stürzte sich auf das arme Wesen vor ihr. Und diese Attacke auf ein unschuldiges, plüschiges Wesen war gleichzeitig ihre letzte Tat in dieser oder jeder anderen Welt. Die Hexe verpuffte ganz einfach. Eben war sie noch da, dann war sie weg. Futsch! Fort! Perduftia!

Das Horchlöffelchen aber stemmte die Arme in die Hüfte, warf einen arroganten, sternenkalten Blick in die Runde und ranzte mit einer Stimme, die die Entitäten jenseits der Nacht vor Furcht hätte erstarren lassen:

„Wars das jetzt? Oder will noch einer? Nein? Schön, dann kann ich ja anfangen, die Welt zu unterjochen.“

Das Mallefizaum-Horchlöffelchen nickte Smeik zu.

„Los, trag mich. Und wehe, du läßt mich fallen!“

Und so begann die schreckliche Herrschaft des Bösen über Zamonien, die währen sollte, bis endlich ein Held entwuchs, der es nach harten und schweren Kampf überwand und in den Mahlstrom warf. Aber das ist eine andere Geschichte.