MordLiebeAbenteuer

Der Mord, die Liebe, das Abenteuer

Eine gar absonderliche, zu Herzen gehende, gewalttätige und überaus rührselige Geschichte, bestehend aus drei Abschnitten, die beim Literaturwettbewerb der Nachtschule 2013 zwei von drei Preisen gewann.

 

 

 

Der Mord

Vor ihnen öffnete der Wald seinen dichten Wuchs in eine große Lichtung und gab den Blick auf eine fast kreisrunde Wiese frei. So weit das Auge reichte, war alles mit kleinen, schwarzen Pilzen bedeckt. Rumo blickte Krete an. Sie nickten sich zu und traten auf die Wiese hinaus …

„Schnitt!“ schrie der übergewichtige Fhernhache in einen Akkuschrauber. „Schnitt! Stop! Halt! Aus!“

Niemand reagierte. Der dickliche Hache runzelte die Stirn. Was zur Doppelvier … Dann bemerkte er seinen Fehler. In seiner Wut hatte er den Akkuschrauber eines Bühnenarbeiters mit seinem Megaphon verwechselt. Hoffentlich hatte das niemand ... Er sah sich schnell um. Aber seine Sorge war unbegründet. Alle Anwesenden blickten wie gebannt auf das Geschehen auf der Bühne.

Wir befinden uns im großen Zentraltheater von Florinht. Hier wird gerade der dramatisierte Roman »Ensel und Krete« eingeübt, der Höhepunkt der kulturellen Saison. Die Theaterleitung hat extra für dieses Stück den berühmten Regisseur Schmus von Herzeklein engagiert, einen Hachen, der für zwei Dinge bekannt war: seinen enormen Bauch und seine genialen Ideen. Und nun zurück zur Handlung …

Schmus von Herzeklein rieb sich die Augen. Nein, das Bild auf der Bühne änderte sich nicht. Er kniff sich. Nichts. Ob sein Gehirn eine Stoffwechselstörung hatte? Eine typische Fhernhachen-Krankheit. Aber er wies nicht die üblichen Symptome auf. Nein, je länger er nachdachte, desto sicherer war er, daß das, was er sah, wirklich und wahr war. Und das konnte wirklich nicht wahr sein!

Schmus griff sich das Megaphon. Was hatte dieser dämliche Akkuschrauber überhaupt … Ach, egal. Er blaffte und registrierte dabei zufrieden die verstärkte Wucht seiner Stimme:

„Schnitt! Stop! Halt! Aus! Idioten!“

Die allgemeine Aufmerksamkeit richtete sich von der Bühne auf Schmus. Gut. Er stand langsam auf. Ging langsam auf die Bühne zu. Streckte langsam seine pummligen Finger in Richtung Schauspieler aus. Dann – jedes Wort ganz langsam aussprechend, als wiege es Zentner – presste er:

„Wer … ist … für … dieses … Bühnenbild … verantwortlich? Wo … ist … Ensel? Was … macht … dieser…verlauste…Wolpertinger…in…meinen…Stück?“

Der verlauste Wolpertinger, der in Wahrheit ein mittelmäßig begabter Hundlings-Schauspieler war (und noch einiges mehr, aber das wollen wir hier noch nicht verraten), versuchte ein drohendes Knurren. Es mißlang triumphal.

„Ich bin hier“, kam es klagend unter einen der Füße des Hundlings hervor.

Was war geschehen? Nun, ich will es rasch zusammen-fassen: Die Probe lief bereits eine gute Stunde und alle – bis auf Schmus, den irgendeine Kleinigkeit störte, die er aber nicht benennen, nicht bezeichnen konnte – waren zufrieden. Das Stück würde ein Schlager werden. Gerade machte sich der Ensel-Schauspieler daran, Krete dem berühmten »Wir gehen durch den Großen Wald, bald macht uns die Hexe kalt-Monolog« vorzubeten, als es geschah. Ein Hundling sprang durch einen Seiteneingang auf die Bühne, trampelte Ensel nieder und monologisierte wild drauflos. Sinnloses Zeug. Varia. Übernahm wie ein haariger Usurpator die Rolle des angestammten Schauspielers. Ob es dieser plötzliche Schock war, ob es ein Wort in den munter dahinschießenden Zitatenstrom des Hundlings war – Schmus wußte es nicht. Aber was er wußte, war, was ihm am Bühnenbild gestört hatte. Die Pilze hatten die falsche Farbe! Die verdammten Pilze auf dem verdammten Bühnenbild hatten die falsche Farbe und auf der Bühne stand ein Hundling, wo kein Hundling stehen sollte.

„Ich bin hier“, kam es also klagend unter den Pfoten des immer noch monologisierenden Hundlings hervor. Schmus fragte:

„Und was zur Hel machst du da? Wir proben hier und … und … und …“ Er lief pflaumenblau an.

„Meister, denken Sie bloß an Ihren Puls“, versuchte Schmus persönlicher Assistent, Fedor F. Fedorawutsch, ihn zu beruhigen. „Der Quacksalber hat sie doch gewarnt, sich zu sehr aufzuregen.“

„Ich kann meine Füße nicht mehr spüren!“, jammerte der Ensel-Darsteller.

Schmus von Herzeklein richtete seine vor Wut strahlenden, leuchtenden Augen auf den unglücklichen Midgardzwerg, der sich sichtlich wünschte, den Mund gehalten zu haben. Die funkelnden Augen des Hachen erreichten eine Lichtausbeute, die den Saal hätte erhellen können.

„Ich soll an meinen Puls denken? An – meinen – Puls?“ Seine Stimme schraubte sich nach oben. „Eine verlauste Töle rennt meinen besten Ensel um und auf den Bühnenbild… auf den Bühnenbild… auf den Bühnenbild…“

„Ich glaube, mein Rücken ist gebrochen“, klagte Ensel.

„Ja, Meister?“ fragte Fedorawutsch servil.

„Es ist vollkommen falsch!“ kreischte Schmus enthemmt. „Vollkommen falsch. Schwarze Pilze. So ein Blödsinn! Da gehören ROTE hin. Und da hinten, an der Wimmelweide … da hängt ein Stromverteiler! Was soll das? Kann die Requisite nicht zwischen Vogelkasten und Stromverteiler unterscheiden? Hä? Hä? Hä?“

„Wenn der Herr vielleicht von mir runtersteigen könnte?“ weinte Ensel.

Unvermittelt fing Schmus von Herzeklein hemmungslos an zu weinen.

Fedor F. Fedorawutsch hatte es kommen sehen. Das war immer so bei Schmus. Sein zartes Hachenherz reagierte sehr empfindlich auf Störungen. Er sah auf seine Uhr. Zeit für eine kurze Pause. Er gab den Schauspielern und Bühnenarbeitern ein Signal und schneller als man »Haifischmade« sagen konnte, waren er und sein Meister alleine. Sogar der nach eigenen Angaben gelähmte Ensel war fort.

Schmus weinte noch immer aus vollen Rohren. Aber als langjähriger Hachenassistent wußte Fedor, daß man diese Gattung mit einem Eimer Kartoffelsalat quasi von allen ablenken konnte. Hachen waren praktisch süchtig nach diesen Zeug. Es konnte ihnen gar nicht kartoffelig und salatig genug sein. Und Fedorawutsch wußte nicht nur, was der Meister wollte. Nein, er hatte es auch stets parat. Er griff also hinter sich und wuchtete einen großen Eimer der pampigen Leckerei auf den Tisch.

Es sollte hier noch eingeschoben werden, daß Fedor F. Fedorawutsch ein sehr spezieller Assistent war. Schmus von Herzeklein war genial, aber er war auch – sagen wir einmal höflich – leicht gestört. Es hatte in der Vergangenheit unschöne Geschichten gegeben mit verschwundenen Schauspielern, scharfen Patronen in Pistolen, die nur Platzpatronen haben sollten, scharfen und spitzen Dolchen und so weiter und so fort. Kurz und gut: Der Regisseur und Kreativling war wahrscheinlich einer der größten Massenmörder der zamonischen Geschichte. Aber seiner Genialität wegen sah man ihn vieles, wenn nicht alles nach. Als einzige Maßnahme stellte man ihn Fedor F. Fedorawutsch zur Seite, der ein Auge auf ihn hatte, wann immer es angebracht schien. Und es war immer angebracht.

Im gleichen Maß, wie die Tränen trockneten, verschwand der Kartoffelsalat im Mund des Theatermanns. F. F. F. sah abwesend auf das Bühnenbild. Diese schwarzen Pilz… Er könnte schwören … nein! er war sicher, daß … aber wie? Und wann? Und vor allen: warum? Als er das Bühnenbild aufgebaut hatte, waren die Pilze hellrot gewesen. Und jetzt waren sie schwarz. Seltsam. Und dann dieser Hundling … der Hundling!

Fedorawutsch sah sich schnell um. Verschwunden, natürlich. Weg wie das Strumpfband seiner Großmutter am Tag ihrer Beerdigung.

Er stieg auf die Bühne, nachdem er sich davon überzeugt hatte, daß sein Meister noch für mindestens zehn Minuten Kartoffelsalat hatte. Die Frage, wie rote Pilze schwarz werden konnten, ließ ihn keine Ruhe. Er beugte sich vor die aufgemalten Gewächse und seine Augen wurden groß. Das durfte doch nicht … Das gab es doch gar nicht …

„Das ist Blut!“ keuchte er. „Ich will tot umfallen, wenn das kein Blut ist.“ Sein Blick flog zu Schmus. Hatte dieser etwa wieder … Aber nein. Ausgeschlossen. Fedor hatte in den letzten Tagen gewisse Anzeichen an seinen Meister bemerkt und ihn Tag und Nacht im Auge behalten. Mit den Blut auf der Bühne konnte er nichts zu tun haben. Aber es war trotzdem da. Und zwar ziemlich viel. Eine erstaunlich große Menge dunkles Blut war über diesen Bereich der Dekoration gespritzt und hatte unter anderen vormals hellroten Pilze nahezu schwarz gefärbt. Wo beim Teufelsfelsen kam so viel Blut her? F. F. F. sah sich den Boden der Bühne genau an. Ah … wenn man danach suchte, war es kaum zu übersehen. Eine Blutspur zog sich vom linken Seiteneingang her, wurde in der Mitte der Bühne breiter und verschwand dann in Richtung rechter Seiteneingang. Und wer hatte in der Mitte gestanden, wer war von links gekommen? Richtig, der Hundling. Dieser hatte beim Monologisieren heftig mit den Armen gewedelt und dabei fraglos Blut auf die Wand und damit auch auf die Pilz gespritzt. Fedorawutsch nahm Witterung auf. Hier waltete ein Verhängnis und hier lauerte ein Rätsel, das es zu lösen galt.

Folge den Blut, dachte er, und du findest den, der blutet. Er eile davon.

Vor der Bühne hatte sich Schmus von Herzeklein derweil wieder gefangen. Und gemerkt, daß man ihn allein gelassen hatte. Alle waren weg. Sogar Fedorawutsch! Schmus konnte es nicht fassen. Man hatte ihn stehen gelassen! Ihn, den Gott der Theaterszene, den Herkules der Bühne, den Teufelsfelszyklopen des Vorhanges, den Hutzerich der Zugabe, den Dämonenkrieger der Verhandlungen mit Kulturschaffenden, ihn, den … den … na, ihn halt. Er sah sich noch einmal um. Keine Frage, er war alleine. So ein Dreck! Da konnte er noch nicht einmal theatralisch in Ohnmacht … Ach, sollte doch der Yeti die Schere spülen! Er hob die Hand matt an die Stirn, seufzte noch matter und sank vollendet in Ohnmacht.

Unterdessen war Fedorawutsch der Blutspur bis zu deren Ende gefolgt. Sie war immer fadenscheiniger geworden und er hatte schon befürchtet, sie irgendwann ganz zu verlieren. Sein Weg hatte ihn fast durch das ganze Theater geführt. Am Ende des schmalen, dunklen Flurs konnte er schon die Rückseite des Kassenhauses sehen. Das Blut war jetzt kaum noch zu sehen, was aber nicht weiter tragisch war, da F. F. F. jetzt den Hundling sah. Er lag auf den Boden, alle viere von sich gestreckt und offensichtlich mausetot. Fedor trat vorsichtig näher. Seine Zwergenaugen sahen im Dunkeln so gut wie im hellen Tageslicht und so entging ihn weder die Stichwunde in der rechten Flanke des Hundlings noch der eingeschlagene Schädel noch das Bündel Pyras, das aus den Maul des Toten ragte. Erschlagen hatte man den armen Kerl mit einen stählernen Wassereimer, der verbeult neben den Kopf des namenlosen Hundlings lag.

Der Midgardzwerg überlegte. Der Mord mußte einigen Lärm verursacht haben. So ein Metalleimer schepperte scheußlich, wenn man ihn über den Kopf gezogen bekam. Ob die beiden schrägen Vögel im Kassenhaus etwas gehört hatten? Er beschloß, sie später zu fragen. Dann die Sache mit den Pyras im Maul. Das war typisch für Haifischmaden-Morde. Geld im Mund, daß hieß, jemand hatte versucht, eine Haifischmade zu bescheíßen und die hatte es rausbekommen. Hatte der Hundling in einen fremden Revier gestreunt? Hatte er daher die Stichwunde? War er geflohen, hatte sich im Theater unter die Schauspieler gemischt, um seine Verfolger abzuschütteln? War er, als die Anwesenden in die Pause verschwanden, alleine durch die Gänge geschlichen und war er hier auf seinen Mörder getroffen? Die Falten auf Fedor F. Fedorawutschs Stirn wurden tief und tiefer. Er versank in Gedanken.

Derweil, im Kassenhäuschen des Theaters …

Die Liebe

Hildegunst seufzte. „Ist das Dein letztes Wort? Willst Du wirklich weg von hier?“

Qwert antwortete nicht. Er saß noch immer am Fenster und beobachtete die vorbei fliegenden Vögel. All die schönen Tage und Stunden wanderten durch seine Gedanken. Hier war er glücklich gewesen. Hier hatten Hildegunst und er viele Jahre lang gelebt und gewirkt, hatten gelacht, getrunken und manchmal auch geweint. Er, Qwert, hatten den Besuchern des Florinther Zentraltheaters die Eintrittskarten verkauft, während sich Hildegunst der Mäntel, Hüte und Handschuhe angenommen hatte. War zwischen den Akten oder nach der Aufführung nichts mehr zu tun, hatte Qwert in den Kellern des Gebäudes nach Ratten gejagt und später den Kochlöffel für sein berühmtes Gulasch geschwungen.

Hildegunst und Qwert kannten sich seit Kindestagen. Sie halten alles geteilt. Die erste Schulbank, das erste Buch, die ersten Prügel, den ersten Uschan-de-Luca-Rausch, die erste Liebe und die erste, große Enttäuschung. Und heute … heute teilten sie noch immer alles. Sogar den Hausanschluss für den zamonischen Kultursender. Aber so glücklich sie sich auch wähnten, wenn sie sich satt über den von Rattengulasch geschwollenen Bauch strichen – sie waren es nicht. Denn jene eine, große Enttäuschung hing über ihnen wie ein Schatten.

Sie waren Zwillinge gewesen. Schreckliche Zwillinge. Schrecksen-Zwillinge. Izanuela und Izunaela waren so häßlich wie zehn zamonische Nächte. Sie tauchten eines Tages in der kleinen Stadt auf, in der Hildegunst und Qwert lebten und die beiden Freunde verloren sofort ihr Herz an die beiden »Frauen«. Stundenlang hatten sie mit den beiden Schrecksen in deren Kesseln gerührt. Hatten ihnen die Zutaten gereicht. Hatten das Feuer angefacht und den Sud an Kochen gehalten. Oh, wie sie die beiden Schrecksen liebten. Aber in den Herzen von Izanuela und Izunaela war nur Platz für Schrecksenkram. Liebe – das Wort kannten sie nicht einmal. Aber leider kannten Hildegunst und Qwert dieses Wort. Und auch artverwandte Worte wie »enttäuschte Gefühle«, »unerwiderte Gefühle« und »gebrochenes Herz«.

Die beiden Freunde litten zwei Monate lang. Dann beschlossen sie, es sei nun genug mit Leiden. Sie schüttelten ihr Herz aus, packten den schmerzenden Inhalt in eine alte Hutschachtel, beschwerten diese mit einem Schlüsselbund aus massiven Finsterbergeisen (daran hingen die symbolischen Schlüssel zu ihren gebrochenen Herzen) und warfen die Schachteln unter großem Brimborium in die Wolper. Sie weinten noch ein paar salzige Tränen, pflückten ein paar Vergissmeinnicht und gingen nach Florinth. Hier – in der Kultur- und Kunstmetropole des Kontinents – wollten sie Vergessen suchen und ein neues Leben beginnen.

Und nun, zehn Jahre später, waren sie also hier im Kassenhaus des großen Zentraltheaters von Florinth. Sassen nach Feierabend in ihren überaus bequemen Sesseln, verdauten das Rattengulasch und halfen der Verdauung mit selbst gebrannten „Rachenschreck“ nach. (Rachenschreck wird hergestellt, in dem man ranziges Eigelb und verdorbenes Heu mit brackigen Wasser in einen Reagenzglas aufkocht, sieben Tage ziehen läßt und dann abseiht). Ein furchtbares Gebräu, das angeblich ein Dullsgarder Finanzbeamter erfunden haben sollte. Was aber wahrscheinlich nicht stimmt, da es in Dullsgard weder Finanzamt noch Finanzbeamte gab.

Während sie tranken, sahen sie gerne aus den Fenster und den Vögeln zu, die im nahen Zentralpark lebten. Es war ein schönes, ein gutes Leben.

Bis zu dem Tag, an dem Qwert für die Direktion einen Botengang unternehmen mußte.

Vor den Toren der Stadt hatte ein alter Rübenzähler gelebt, der zu den treuesten Besuchern des Theaters gehörte. Qwert und Hildegunst hatten vor allen seinen unglaublichen Geiz und seine einzigartig schlechte Laune gemocht. Nie in all den Jahren hatte er auch nur einen Pyra Trinkgeld gegeben. Nun war der Rübenzähler tot und es zeigte sich, das er den Theater seine gesamte Bibliothek vermacht hatte. Nun wird man sicher sagen: Die Bibliothek eines Rübenzählers? Was kann das schon sein? Aber die Direktion schaute einen geschenkten Gaul nicht ins Maul und da der alte Rübenzähler Qwert und Hildegunst jeweils 500 Pyras vermacht hatte – ein spätes, aber angemessenes Trinkgeld – hatte man beschlossen, diesen zum Haus des Toten zu schicken. Qwert sollte dort ein Bestandsaufnahme der Bücher vornehmen. Abgeholt würden sie dann irgendwann später von einer Kolonne Yetis.

Das Haus des Rübenzählers stand nahe einer alten, längst verfallenen Bahnschranke und schmiegte sich eng an ein verfilztes Gebüsch. Alles hier atmete Verfall, Alter und Zersetzung. Unwillkürlich mußte Qwert an seine geliebte Izunaela denken. Wie sehr hatte sie Verfall und Zersetzung geliebt! Er begann zu weinen. Ach, Izunaela. Häßlichste aller Schrecksen. Sein Herz schmerzte, als er sich der Tür näherte und sein Kopf schmerzte noch mehr, als ihn ein ledergebundenes Buch – es flog durch die offene Tür! – an der Stirn traf. Zeitgleich drang ein derber Fluch an sein Ohr.

„Sackgesichtiger Arschkläffer, Fußnägelkauender Sohn einer läufigen Hündin, trauriger Ausgang einer Liebesnacht, wo ist mein Kochbuch, du elendes Ergebnis Jahrhunderte alter Inzucht?“

Qwert fiel beinah in Ohnmacht. Diese Stimme. Diese Worte. Das war doch … das war doch … Ja, das war …

An dieser Stelle muß die Handlung etwas gerafft werden. Es war tatsächlich Izunaela, die verlorene Liebe Qwerts, die dort im Haus wütete und tobte. Sie hatte sich vor Jahren mit ihrer Schwester überworfen und eine Anstellung als Köchin bei dem toten Rübenzähler angetreten. All ihre geheimen Rezepte hatte sie in einen Büchlein niedergelegt und das war nun verschwunden. Dazu kam der ausstehende Lohn für sieben Monate. Kein Wunder, daß die Schreckse schlecht gelaunt war. Der glückliche Qwert klärte sie auf, daß nun alle Bücher rechtmäßig den Zentraltheater gehörten, er aber natürlich das Kochbuch davon ausnähme. Izunaela sah ihn an, als wäre er ein mäßig interessantes Insekt. Qwert plapperte weiter, wegen des Lohnes sollte sich sein Herzblatt auch keine Sorgen machen, es gäbe hier bestimmt ein paar wertvolle Bücher, die er vergessen würde, zu katalogisieren und Bücher könne man ja überall verkaufen.

Izunaela sah ihn an, als wäre Qwert ein ausnehmend interessantes Insekt, möglicherweise ein häßlicher Schmetterling.

„Vor drei Wochen war ein Hundling hier. Der hat den Alten gefragt, ob er eine bestimmte Ausgabe eines bestimmten Buches habe.“ Die Schreckse rieb sich die warzige Nase. „Scheinbar war die Bibliothek des Alten etwas besonderes. Ich interessiere mich ja nur für Kochbücher. Na, jedenfalls war der Alte Schratteufelwild, als der Hundling weg war. Hat wohl eine Seite aus einen seiner geliebten Bücher gerissen und ist damit getürmt. Wenn man mich fragt, ich glaube ja, daß hat den Alten den Rest gegeben. Man kann also mit alten Büchern Geld machen, ja?“

Qwert nickte. Dann setzte er sein Werben fort.

Aus den häßlichen Schmetterling wurde ein ganz passabler, als Qwert seine Erbschaft erwähnte. Wurde ein schöner Schmetterling, als er von seinen Ersparten und seinen Plan, ein Haus zu kaufen, berichtete.

Izunaela kämpfte sichtbar heftig mit sich und dem, was sie für Gefühle hielt. Immerhin wurde sie auch nicht jünger und Not kennt kein Gebot. Sie vergaß auch nicht zu erwähnen, daß das Haus, in dem man sich gerade befand, zum Verkauf stand und ihr sei gerade ganz blümerant und ganz heiß um den Busen.

Über den Rest des Tages breitet der Dichter den Mantel des Schweigens.

Nach vielen Stunden der Ekstase in den warzigen Schrecksenarmen war Qwert zurückgekehrt in das kleine Kassenhaus. Mit einen breiten Grinsen im Gesicht hatte er seinen lebenslangen Freund mitgeteilt, daß er nun ein neues Leben anfange. Dann – eine Hand schon an der Klinke – hatte er noch gerufen:

„Sei tapfer, alter Freund. Wenn ich Izunaela wiedergefunden habe, wer weiß? Möglicher-weise ist auch Izanuela nicht ferne von hier und wartet auf dich.“

Tatsächlich war Izanuela näher, als Qwert dachte. Um genau zu sein, befand sie sich zu diesem Zeitpunkt genau gegenüber des Theaters, in der Bibliothek der Universität von Florinth.

Das Abenteuer

Izanuela wischte den Staub von der Tafel. Mehrere Reihen altertümlicher Schriftzeichen wurden sichtbar. Am unteren Rand konnte man das Bild der versteckten Stadt erkennen, das sie schon aus den antiken Büchern kannten. Rala nahm das Pergament aus der Tasche und begann die Schriftzeichen zu übersetzen.

„Vom gespaltenen Felsen … sieben, nein neun Schritte“, las sie mühsam und halblaut. Ihre Augen huschten zwischen den Pergament und der Steintafel hin und her. „Baum … toter Ast … Nordsüdwest … Kopf des alten Zwerges …“

Sie ließ das Pergament sinken und sah die Schreckse finster an.

„Das ist doch alles Blödsinn“, fauchte Rala. „Gespaltene Felsen. Neun Schritte von was weiß ich wo nach was weiß ich wohin. Nordsüdwest? Geht es noch?! Und dann der Kopf eines alten Zwerges?“

„Ich würde einen Zwergenkopf nicht mal mit der Kneifzange anfassen“, kreischte die Schreckse.

„Ich auch nicht“, gab die Wolpertingerdame abwesend zu. „Verdammt, ich hätte diesen Hundling fragen sollen, wo er das Pergament herhat.“

„Er hätte dir wohl kaum die Wahrheit gesagt, Schätzchen.“ Die Schreckse sah sie nachdenklich an. „Obwohl der Kerl bei einer so hübschen Hündin wie dir bestimmt eine Ausnahme macht.“

Rala sah sie finster an. Ihr Blick brach aber wirkungslos an den Riffen des schrecklichen Gemütes.

„Ich bin keine Hündin!“ Sie spie das letzte Wort beinah aus. „Ich bin ein Wolpertinger.“

„Hündin, Wolpertinger – Fell bleibt Fell und Pfote bleibt Pfote.“

Mit überzamonischer Kraft bewahrte Rala die Ruhe. Gepresst sagte sie:

„Außerdem wüßte ich gar nicht, wo ich den Typen suchen sollte.“

Die Schreckse lachte bellend.

„Wenn das alles ist. Ich habe die verlauste Töle mit ihren Ungeziefer verseuchten Pelz im Seiteneingang des Theaters verschwinden sehen. Er hielt sich die Seite. Schien verletzt zu sein. Ich bin sicher, du findest ihn da drüben, wie er sich gerade über eine Schale Milch hermacht.“

Die Schreckse war selbst für eine Schreckse erstaunlich unsensibel.

„Das – sind – Katzen!“ knurrte Rala.

„Wo sind Katzen?“ schrie die Schreckse und sprang auf den nahen Tisch. Sie hatte panische Angst vor den Leisetretern.

Die Wolpertingerin verdrehte die schönen Augen. Das war wieder einmal typisch für sie. Sie hatte die Heimat verlassen, um die größte Schatzjägerin des Kontinents zu werden. Die legendäre »Stadt ohne Namen« hatte sie finden wollen. Und was fand sie? Eine uralte Steintafel, die angeblich den Weg zur »Stadt ohne Namen« wies, einen Hundling, der ihr ein Pergament verkaufte, das helfen sollte, die Runen auf der Steintafel zu übersetzen (was ein unglaublicher Zufall war, wenn sie jetzt so darüber nachdachte) und eine durchgedrehte Schreckse. Das Pech klebte ihr an den Pfoten wie … wie … na, eben wie Pech. Oh, dieser verdammte Hundling! Wenn sie den in die Klauen bekam… Sie würde ihn das Fell über die Ohren ziehen und damit eine Rutschbahn für Dämonenkrieger beziehen.

Die Schreckse war unterdessen vom Tisch geklettert. Da sie keine Katze ausmachen konnte, hielt sie die Gefahr für gebannt. Sie nahm der perplexen Rala das Pergament aus der Hand und hielt es ins fahle Licht. Sie brummte:

„Alt ist es… Die Tinte sieht echt aus… Tintenfraß an den Rändern… das läßt sich nur schwer fälschen… rechte Seite zerfranst… wahrscheinlich aus einen Buch gerissen… das Pergament ist auch echt… gibt es schon lange nicht mehr…“ Sie ließ das schwere Blatt sinken. „Also, Herzlein, ich denke, das hier“ – sie schwenkte das Pergament – „ist was Echtes. Und wenn es echt ist, dann hat es auch eine Bedeutung.“

Gegen Schrecksenlogik war kein Kraut gewachsen.

Nun wurde die Steintafel begutachtet. Die Schreckse – ihr werdet es schon geahnt haben, es war die Schwester von Izunaela – besah sich die Runen genau. Dann lachte sie laut auf und hieb sich auf das warzige Bein.

„Die falsche Transkripiton. Du hast wie alle modernen Abenteurer die siebenfache Verdopplung der vokalen Konsonanten nach Skelch angewandt. Aber diese Steintafel ist uralt. Hier muß man die …“

„… halbierte Alphabetmerase der Silbung nach Nanopartikelus anwenden“, ergänzte Rala aufgeregt.

Zehn Minuten später war das Pergament übersetzt.

Rala las vor: „Du, der du die »Stadt ohne Namen« suchst, richte deine Schritte gen Süden und gehe, bis du erreichest das große »Gebirge ohne Namen« zwischen dem »Moor ohne Namen« und der »Wüste ohne Namen«. Inmitten des »Gebirges ohne Namen« wirst du am 12. des achten Monats um eine in der Nacht einen namenlosen Mondstrahl sehen, der auf in ein »Tal ohne Namen« fällt. In diesem Tale findest du ein »Monument ohne Namen«, das dir den Weg zur nahen »Stadt ohne Namen«. Doch sei gewarnt …“

„Ja, ja“, fiel ihr die Schreckse ins Wort. „Sei gewarnt, sei achtsam, sei vorsichtig. Blablabla. Kennt man ja.“

Sie sah Rala an.

„Gut, Schätzelein, das war es dann für mich. Ich hab dir den Fetzen entziffert und jetzt will ich meine Kohle sehen.“

„Wieviel?“

„88 Pyras!“ forderte die Schreckse.

„88 Pyras?“ fragte Rala entgeistert.

„Heute ist Feiertag. Da kostet es Zuschlag“, feixte die Schreckse.

„Was für einen Feiertag haben wir denn?“ fragte Rala mißtrauisch-lauernd.

Izanuela brauchte für ihre Lüge nicht eine Sekunde der Überlegung. „Heute ist der schreckistische Rollcontainer-Tag. Wir gedenken heute all unserer Rezepte, die verloren gegangen sind und nun im großen Rollcontainer in Hel liegen.“

Rala schnaubte, konnte aber auch nicht beweisen, daß heute kein Schrecksen-Feiertag war. Also zahlte sie die 88 Pyras.

„Der Hundling ist also ins Theater gelaufen?“ fragte sie, schon im Gehen.

„Das habe ich doch gesagt, Schatzi. Und ich sage dir noch was und das ist gratis. Weil heute Feiertag ist. In dieser Stadt handelt keiner mit Schatzkarten oder ähnlichen, der keine Lizenz von der großen Haifischmade ohne Namen hat. Und ich will tot umfallen, wenn der Hundling eine hatte. Beeil dich lieber, wenn du noch mit ihm sprechen willst. Die große, namenlose Haifischmade ist sehr ungehalten, wenn man ohne ihre Erlaubnis Geschäfte macht.“

Rala verließ die Bibliothek und ging über den großen Platz auf das Theater zu. Eine der Türen stand offen und sie trat ein. Ein bisschen mulmig war ihr schon zumute, aber was eine echte Abenteuerin ist … Sie bog um die Ecke. Ah, da war das Kassenhaus. Dahinter fing der innere Bereich des Gebäudes an. Aus dem Kassenhaus hörte sie ein heftiges Weinen und Schluchzen und Schniefen in ein Taschentuch dringen. Sie meinte, die Worte „Oh Qwert“, „Izanuela meine warzige Schönheit“ und „Oh Weltenschmerz, oh Jammerklage“ zu hören. Da würde sie wohl besser nicht stören.

Sie ging weiter, bog um eine Ecke und erstarrte. Das Bild, daß sich ihr bot, war aber zu bizarr. Ihr Hundling lag tot auf den Boden. Ein Midgardzwerg war in Gedanken versunken über ihn gebeugt. Ein zerbeulter Wassereimer lag herum.

„Äh ... Hallo?“ sagte Rala vorsichtig. Der Midgardzwerg zuckte zusammen. Er sah Rala mit glasigen Augen an und sagte ohne jeden Zusammenhang:

„Über den Balkon.“

„Aha.“

„Keine andere Möglichkeit.“

„Bestimmt.“

„Muß sehr gewandt gewesen sein. Wahrscheinlich ein Mondlichtschatten.“

„Ohne jede Frage.“

„Die lieben es, anderen den Schädel einzuschlagen.“

„Ach?“

„Wer bist du eigentlich?“

Rala sagte, sie hieße Rala, sei angehende Abenteuerin und frage sich gerade, ob sie hier einen Mörder oder einen Wahnsinnigen gegenüberstehe.

Fedor F. Fedorawutsch sah sie fragend an. Dann begriff er und beeilte sich, den Sachverhalt zu erklären.

„Sollen wir nicht lieber die Stadtwache rufen?“ fragte Rala.

„Die Stadtwache?“ Fedorawutsch lachte. „Wir sind hier in Florinth. Hier regiert das Geld. Und das meiste Geld haben die Haifischmaden. Wenn eine von denen dahintersteckt, dann passiert hier gar nichts. Nein, ich denke, das beste wird sein, wir werfen den Toten in den Kanal und vergessen die ganze Sache.“

„In den Kanal?“ fragte Rala fassungslos.

„Ach, das hört sich schlimmer an als es ist. Und der Tote stört sich nicht daran.“

„In den Kanal?“ wiederholte Rala.

„Bist ein bisschen schwer von Begriff, was?“

„In den … Was?“

Doch F. F. F. hörte ihr bereits nicht mehr zu. Er bückte sich ächzend, packte den Hundling und zog ihn in Richtung eines schweren Eisendeckels, der nahe des Kassenhauses im Boden eingelassen war. Dabei erklärte er schwer atmend:

„Hat jedes Theater. Manchmal sterben Schauspieler und man will nicht viele Fragen beantworten. Dann ist so ein Kanal eine prima Sache.“ Er griff in eine Nische in der Wand und holte eine Fernbedienung hervor. Er tippte einen kurzen Code ein und knirschend schwang der Deckel auf.

Rala sah ihn mit großen Augen an.

„Bist noch nicht lange im Abenteuergeschäft, was?“ fragte der Midgardzwerg in geschäftigen Ton, während er die Leiche versenkte. Die Pyras hatte er natürlich längst eingesteckt.

„Nein, ist sie nicht“, ertönte eine tiefe, heisere Stimme hinter Rala. Der Zwerg blickte auf, Rala fuhr herum. Hinter ihr stand, nein! ragte eine Haifischmade empor. Flankiert wurde sie von vier Yetis und dichter Qualm umwogte ihren Kopf.

„Rala von Kornheim. Neu in der Stadt und schon im Besitz von etwas, das von Rechts wegen mir gehört.“

Eine Hand erschien.

„Gib mir das Pergament!“

Rala zögerte. Die Yetis knurrten. Die Haifischmade lächelte. Der Midgardzwerg schwitzte.

„Kind, ich bitte dich nicht zweimal.“ Der gelangweilte Ton der Haifischmade war schlimmer als jede Drohung je hätte sein können. Schweren Herzens legte Rala das Dokument in eine der 14 Hände.

„Gut. Ich sehe, daß du mehr Verstand hast als andere Vertreter deiner Gattung. Ich denke, ich kann dich mit einer Aufgabe betrauen.“

„Danke für das Kompliment“, ätzte Rala.

„Sei bloß still“, ermahnte sie F. F. F. halblaut.

Die namenlose Haifischmade warf einen Blick auf das Dokument. Während sie es vorsichtig zusammenrollte, sagte sie:

„Ich denke, einige kurze Instruktionen sollten reichen.“ Sie wandte sich an Rala. „Ich gehe davon aus, daß du mit Hilfe der Steintafel in der Bibliothek und diesem Pergament hier herausgefunden hast, wie du zur »Stadt ohne Namen« kommst.“

„So halbwegs“, knurrte Rala.

„So halbwegs“, bestätigte die Haifischmade. „Ein bisschen Geschick wirst du schon brauchen. Aber wenn ich dir sage, was du in der »Stadt ohne Namen« finden wirst, dann wirst du sicher verstehen, daß es seinen Sinn hat, das man sie nicht so ohne Weiteres finden soll.“

„Und was würde ich da finden?“

Die Haifischmade straffte sich. „Den geheimen Friedhof der Haifischmaden – voll und übervoll mit Schätzen, Kleinodien und kostbaren Geschmeide. Uralten Büchern voller verbotenen Wissens und hübsche, kleine Erpresserbriefe, mit denen sich auch noch heute ein Vermögen verdienen läßt.“

„Und das alles sollen wir für dich besorgen, richtig?“ ließ sich F. F. F. vernehmen und überschlug im Geist die Prozente, die er verlangen konnte. Auf Schmus konnte auch gut jemand anders aufpassen und wenn nicht – nun, es gab eh zu viele Schauspieler in Florinth.

„Wir?“ fragen Rala und die Haifischmade unisono.

„Äh … ja … also ich dachte … ich meine …

„Zehn Prozent“, knarrte die Haifischmade. „Nimm dir auch nur einen Dictor mehr und ich lasse dir die Barthaare einzeln rausreißen, bevor ich daraus einen Strick flechte, an den ich dich aufhänge.“

„Klingt super.“

Rala hatte noch eine Frage.

„Dieser tote Hundling, der jetzt im Kanal treibt …?“

„Einer meiner Männer. Ein recht minderbemittelter Schauspieler, der ständig in Geldnot war. Als ich rausfand, daß das gesuchte Schriftstück für die Entzifferung der Steintafel in einem Buch verborgen war, daß einen alten Rübenzähler gehörte, habe ich ihn beauftragt, mir das Buch oder zumindest die Seite zu besorgen.“

„Verstehe.“

„Aber dann hat der arme Idiot gedacht, er könnte mich betrügen. Er beging die Torheit, das Pergament zu verkaufen und mir zu erzählen, er habe es verloren.“ Die Haifischmade grinste bösartig. F. F. F. schwor sich, niemals auf eine vergleichbare Idee zu kommen.

„Einer meiner Mondlichtschatten (an dieser Stelle ballte F. F. F. triumphierend die Faust) nahm sich dann der Sache an. Leider verwundete er den verräterischen Hund bei ihrer ersten Begegnung nur und diesen gelang die Flucht. Aber meine Mondlichtschatten sind zäh. Und ausdauernd. Und somit kennen nur noch wir zwei den Weg zum »Friedhof der Haifischmaden« und seinen Reichtümern“, lächelte die Haifischmade maliziös.

„Äh … mit der Schreckse aus der Bibliothek sind wir drei“, warf Rala.

Die Haifischmade zog grinsend die Augenbrauen hoch.

„Ich sagte, wir sind zwei.“

Rala wurde blaß. F. F. F. bemerkte anerkennend, daß, wenn man gute Arbeit wollte, diese immer von einem Profi erledigen lassen sollte.

„Morgen früh macht ihr euch auf den Weg. Kommt um 9 Uhr in mein Büro im Rathaus. Da erhaltet ihr Gold und Ausrüstung. Es gelten die üblichen Bedingungen für Schatzsucher und Abenteuer. Zehn Prozent für jeden von euch, die Kosten für eine anfallende Beerdigung übernehme ich.“ Die Haifischmade lachte gemein. „Natürlich nur, wenn man eure Leichen findet.“

Die Haifischmade drehte sich um und verschwand so geheimnisvoll, wie sie erschienen war.

„Also, das ist ja …“ begann Rala.

„Toll, nicht wahr?“ Der Midgardzwerg klatschte in die Hände. „Ein waschechtes Abenteuer. Und wir werden sogar noch dafür bezahlt.“

„Na prima“, sagte Rala.